16
Dez
2018

Bericht zur Abschlussveranstaltung „Gute gesunde Kindertagespflege“

„Gute gesunde Kindertagespflege“ (GuT)
Abschlusstagung 14.12.2018 Universität Leipzig

Ein paar Ergebnisse und viele Gründe, um tätig zu werden:

  • Die Kindertagespflege ist auf dem Weg der Verberuflichung. Nur 4% der Befragten haben keine spezifische Grundqualifizierung – allerdings rund 14% eine staatliche Anerkennung als Erzieherin.
  • Eine wichtige Voraussetzung für Qualität in der Kindertagespflege ist die Beratung durch das Jugendamt. Allerdings lässt die Personalausstattung teilweise zu wünschen übrig. Im schlimmsten Fall war eine Person für rund 300 Kindertagespflegepersonen zuständig.
  • Wichtig sind Unterstützungsstrukturen. Dazu gehören die Fachberatung, Weiterbildungsanbieter und Interessensgemeinschaften wie der Bundesverband der Kindertagespflege und die Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e.V.
  • Kindertagespflegepersonen sind ausgesprochen fleißig: Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt rund 48 Wochenstunden, ca. 11% arbeiten sogar über 60 Wochenstunden. 41% der Befragten betreuen derzeit fünf Kinder, 18% vier Kinder und immerhin noch 11% drei Kinder. Dabei beträgt die unmittelbare Arbeit am Kind 36 Wochenstunden (75%), die mittelbare Arbeit 9 (19%) und Verwaltungsarbeit 3 (6%) Wochenstunden.
  • Kindertagespflegepersonen denken zunächst an die Kinder, weniger an sich selber: Auf einer Skala von -3 bis +3 gibt es für die Sicherheitsausstattung für die Kinder die Note 2,5 , für Innenräume 1,5 – aber für erwachsenengerechte Ausstattung (z.B. gesunde Stühle) nur die Note 0,5.
  • Das Vorhandensein einer Vertretungsregelung wird mit -2 bewertet. Und kaum jemand hat genügend Zeit, Krankheiten auszukurieren (75% der Befragten). => Diese Punkte sollten ein Alarmzeichen sein!
  • Da verwundert es auch nicht, dass die durchschnittliche Anzahl von Krankheitstagen bei nur 4,2 Tagen pro Jahr liegt – in Kindertagesstätten liegt die Zahl fast dreimal so hoch. 40% der Kindertagespflegepersonen gaben an, im letzten Jahr überhaupt nicht krank gewesen zu sein. Dennoch gibt es bei einem erheblichen Anteil der Befragten deutliche Krankheitssymptome: 40% litten im letzten Jahr an Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, 40% an Atemwegserkrankungen, 30% an psychosomatischen Beschwerden.
  • Dazu kommt noch die schlechte Absicherung im Krankheitsfall: 27% der Befragten bekommen kein Geld im Krankheitsfall. Die bezahlten Krankheitstage variieren in der Befragung von 0 – 90 bezahlte Tage (Durchschnitt: 10).
  • Eine Ersatzbetreuung war in der Mehrzahl nicht geregelt und musste teilweise von den Kindertagespflegepersonen sogar selber bezahlt werden. Kindertagesstätten übernahmen die Rolle der Ersatzbetreuung nur in 2% der Fälle.

Während der Podiumsdiskussion wurden folgende Punkte deutlich: Eltern sind mit der Arbeit in der Kindertagespflege äußerst zufrieden. Die Betreuungsqualität ist absolut kein Problem. Es passieren auch deutlich weniger Unfälle als in Kindertagesstätten.

Der Bund unterstützt den Ausbau der Kinderbetreuung nach Kräften. Es gibt allerdings keine Vorgabe an die Länder, wie die Gelder eingesetzt werden sollen. Dazu laufen derzeit noch die Verhandlungen mit den Bundesländern.

In die Studie eingeflossen sind 1.721 Kindertagespflegepersonen und 631 befragte Eltern sowie 13 Gruppendiskussionen aus 6 Bundesländern und 6 Interviews mit Expertinnen aus der Fachberatung. Die Umfrage erfolgte im Zeitraum von 01.01.2018 bis 15.04.2018. Ergänzend dazu wurden Dokumente von Qualifizierungskonzepten ausgewertet.

Wir sind der Meinung:
Die Problemfälle liegen in der zuverlässigen Ersatzbetreuung und der Absicherung im Krankheitsfall. Hier müssen die Zuständigen endlich tätig werden!

 

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