Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e.V.


Stellungnahme zum KiBiz NRW

 Aktuell: Stellungnahme der FDP-Landtagsfraktion in NRW 


Berlin, 11.04.2011

Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend (A 04)
- Ihr Referentenentwurf -

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Interesse haben wir, die Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e.V., Ihren Referentenentwurf zur Änderung des KiBiz gelesen.
Leider stimmen wir in einigen Punkten nicht mit Ihnen überein. Daher möchten wir, als Fachleute der Praxis, Ihnen hierzu unsere Bedenken mitteilen.

Als Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e.V. treten wir bundesweit als eine gewerkschaftliche Interessenvertretung der Kindertagespflegepersonen auf. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen in der täglichen Praxis der Kindertagespflege.
Hier haben wir uns in der Vergangenheit zum Beispiel für das Aufteilen der fünf Betreuungsplätze auf acht Kinder stark gemacht (Platzsharing).

Diese Errungenschaft war für die Kindertagespflegepersonen von großem Vorteil, da sie dazu führte, dass endlich ein wirtschaftliches Arbeiten möglich wurde.

Um die Kindertagespflege aus dem Schwarzarbeiter- und Hausfrauen-Bereich heraus in einen pädagogisch qualifizierten Beruf heben zu können, ist es dringend notwendig von der Tätigkeit der Kindertagespflege finanziell zumindest existieren zu können.

Da die Zahlung einer laufenden Geldleistung wie sie im KiBiz § 23 SGB VIII vorgesehen ist, nach wie vor nicht in allen Kommunen üblich ist und auch die Höhe der Zahlung dem Ermessen (und der Zahlungsfähigkeit) der Kommunen unterliegt, ist das Gros der Kindertagespflegepersonen bundesweit nach wie vor auf eine Zuzahlung durch die Eltern angewiesen.

Als Folge Ihrer Vorstellung, die Möglichkeit des Platzsharing abzuschaffen, werden die Kindertagespflegepersonen zur Sicherung ihrer beruflichen Existenz gezwungen sein, ausschließlich Ganztagsplätze anzubieten. Denn nur so können diese wirtschaftlich arbeiten.

Dies ist erfahrungsgemäß nicht im Sinne der jungen Familien, da diese ihre Kinder in der Regel nicht ganztags betreut wissen möchten, noch in der Lage sind, dies finanziell zu stemmen.
Eine flexibel gestaltete, am Bedarf der Eltern ausgerichtete Betreuung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird so nicht mehr möglich sein.

Sie plädieren dafür, dass Bildung nicht vom Einkommen der Eltern abhängen darf?

Genau dies wird eintreten. Denn schon heute ist es so, dass Kindertagespflege aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen nur für Eltern ab einer bestimmten Einkommensklasse erschwinglich ist.
Von den durch die Kommunen (bundesweit sehr unterschiedlich) gezahlten Förderbeträgen allein, kann eine Kindertagespflegeperson nicht existieren.

Sie möchten Arbeitsplätze erhalten?

Dann nehmen Sie den Kindertagespflegepersonen nicht die Grundlage ihrer Existenz. Schon in der Vergangenheit haben viele Kindertagespflegepersonen ihre Tätigkeit aufgegeben, da sie sich nicht mehr in der Lage sahen unter den bestehenden Rahmenbedingungen zu arbeiten.
Die Möglichkeit der Einhaltung einer gesetzlich festgelegten Quote für die Betreuung von unter drei jährigen Kindern rückt so weiter in die Ferne.

Ihre Bedenken mit der Möglichkeit des Platzsharing der Familienähnlichkeit des Betreuungsangebotes oder der Stärkung der Erziehungspartnerschaft zu schaden, können wir aus unserer täglichen Praxis zerstreuen.

Tatsächlich zeigt die Praxis, dass die Kinder lernen die Tage zu unterscheiden und sich auf die jeweils anwesenden Kinder zu freuen. Aus pädagogischer Sicht entstehen aus dem Platzsharing keinerlei negative Auswirkungen.

Die Stärkung der Erziehungspartnerschaft geschieht in der Praxis durch regelmäßig stattfindende Elternabende und den regelmäßigen Austausch über Alltagserlebnisse. Darüber hinaus besteht bei den uns angeschlossenen Kindertagespflegepersonen ein sehr persönlicher jedoch professioneller Umgang mit den Eltern.

Wenn sie sich für die Bildung der Kinder einsetzen möchten, und das ist wichtig und notwendig, unterstützen sie uns auf unserem Weg die Kindertagespflege zu einem anerkannten und pädagogisch hoch qualifizierten Beruf zu machen.

Auch wir sind sehr interessiert daran, die Bildungsmöglichkeiten für die Jüngsten der Gesellschaft zu verbessern. Dies kann jedoch nur über die Kooperation mit den Verantwortlichen, den erziehenden Personen geschehen.
Daher stehen wir als Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen e.V. Ihnen gerne mit weiteren Informationen aus der Praxis zur Verfügung.

Wir danken Ihnen für Ihr Interesse, hoffen dass wir Sie mit unseren Zeilen nachdenklich gemacht haben und freuen uns über jeden weiteren Austausch.

 

Mit freundlichem Gruß,

Anisa Scadah-Gailun
1.Vorsitzende


Sie können diese Stellungnahme auch als PDF herunterladen.


Antwort der FDP-Landtagsfraktion auf die Stellungnahme  als PDF herunterladen.


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