11
Okt
2015

Positionspapier der BvK e.V., Stand Oktober 2015

Positionspapier

Für die uneingeschränkte Anerkennung und Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zur Kindertagespflege nach Sozialgesetzbuch VIII

In den letzten Jahren hat sich eine lebendige Vielfalt  in der Kindertagespflege entwickelt.  In der Berufsvereinigung  setzen sich  aufgeschlossene und weiterbildungsorientierte Tagespflegepersonen für eine moderne Kindertagespflege ein. Sie nehmen ihren Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag sehr ernst  und wollen selbst auch ernst genommen werden: Sie fordern die uneingeschränkte Anerkennung und Umsetzung  des Sozialgesetzbuchs VIII ein.   Alle, die den Blick in der Kindertagespflege nach vorn richten, wissen, dass Weiterbildung und aufbauende Qualifizierung, Praxisbegleitung und Supervision, Theorie- und Praxisverzahnung ebenso  zur erfolgreichen Arbeit mit den Kindern  gehören, wie die gesicherte finanzielle Grundlage der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsaufgabe.

Kinder haben einen Anspruch auf Förderung in Tageseinrichtungen u n d in Kindertagespflege

Der Gesetzgeber hat im Sozialgesetzbuch VIII die Gleichrangigkeit von Tageseinrichtungen und Kindertagespflege beschrieben.  Ein- bis dreijährige Kinder können in KITAS und Krippen überfordert sein. Das wird durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt: Für diese Kinder ist die kleine, familiäre Gruppe in der Kindertagespflege die bessere Alternative. Unsere Arbeit ist somit ein gleichwertiges Angebot in der Betreuung von Kindern ab dem ersten Lebensjahr.  Mit dem Kinderförderungsgesetz (Kifög) wurde eine deutliche Profilierung der Kindertagespflege beschlossen: 30 % der neu zu schaffenden Plätze in der Betreuung der Kinder ab einem Jahr sollen in der Kindertagespflege entstehen.  Das Wahlrecht der Eltern ist zu akzeptieren. Das bedeutet auch, dass Ländergesetze und Satzungen in Landkreisen und Kommunen die Gleichstellung von Tageseinrichtungen und Kindertagespflege berücksichtigen und fördern müssen.

Träger von Kindertageseinrichtungen haben aber in der jüngsten Vergangenheit massiv Mittel aus Fördertöpfen des Europäischen Sozialfonds, des Bundes und der Länder abgeschöpft, um durch Neubau, Umbau und Sanierung Plätze in gemischten Gruppen für Kinder von zwei bis sechs Jahren zu schaffen: Die kommunalen, freien und kirchlichen Träger müssen dann zwanzig Jahre die Plätze für zweijährige vorhalten, um die Fördermittel nicht zurückzahlen zu müssen. Es häufen sich die Klagen darüber, dass Kinder aus der Kindertagespflege im Alter von zwei Jahren in die größeren  U3-Gruppen der Einrichtungen abgezogen werden, weil auch den Eltern keine andere Wahl bleibt:  Ihnen droht der  Verlust des  Kita-Platzes, falls sie das Angebot nicht annehmen. Das reißt  Kinder, die vor nicht allzu langer Zeit aufwändig eingewöhnt wurden, aus ihren sicheren Bindungen heraus. Hier muss es schnellstens zu Regelungen kommen, die das Kindeswohl im Blick haben.

 

Weiterbildung und Qualifizierung

Ohne laufende Fortbildung kann die Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsaufgabe in der Kindertagespflege nicht bewältigt werden. Hier ist es die Aufgabe von Jugendämtern und Bildungsträgern, Fortbildungsprogramme zu entwerfen und deren Finanzierung sicher zu stellen. Außerdem zeigt sich die Notwendigkeit aufbauender Qualifizierungen, die berufsbegleitend angeboten werden. In einigen Kommunen finden z.B. zurzeit weiterführende Qualifikationskurse zur Inklusion statt. Das ist ein richtiger Ansatz, weitere sollten entwickelt werden.  Die Berufsvereinigung begrüßt ausdrücklich den Plan, zukünftig ein Curriculum von 300 Unterrichtsstunden mit Praxisanteilen zu entwickeln. Das trägt zur Profilierung der Kindertagespflege bei.

Praxisbegleitung und Supervision

Die Praxisbegleitung und die Reflexion unserer Arbeit sind unter sachkundiger Anleitung zwingend erforderlich. Aber sie ersetzen nicht die Supervision von PsychologInnen oder KleinkindpädagogInnen, die anhand von Fallbeispielen Hilfestellung in schwierigen Situationen anbieten können. Praxisbegleitung und Supervision sollten bindend für alle Kindertagespflegepersonen eingeführt werden

Für eine leistungsorientierte Vergütung

Da die Politik  keine klaren Regelungen zur Finanzierung der Kindertagespflege entwickelt hat, ist jetzt die Erarbeitung einer Gebührenordnung für Kindertagespflegepersonen als dringlichste Aufgabe auf der Tagesordnung. Gegenwärtig entscheiden die kommunalen Gremien je nach Kassenlage mehr oder weniger willkürlich über die Fördermittelverteilung in der Kindertagespflege.

1.   Förderleistung:  Alle Kindertagespflegepersonen  erhalten den gleichen, leistungsorientierten  Grundbetrag für ihre pädagogische Arbeit. Aufbauende Qualifikationen werden entsprechend ihrer Bedeutung für die Arbeit zusätzlich vergütet. Grundlage ist zunächst der Grund- und Aufbaukurs (Curriculum) Kindertagespflege von jetzt 160 Std., demnächst 300 Std. Unterricht und Praktika.

2.     Die Sachkostenerstattung richtet sich nach den örtlichen Gegebenheiten und Lebenshaltungskosten-Indizes. Raumkosten werden übernommen. Der Sachkostenzuschuss  muss deutlich angehoben werden.

3.    Bei der laufenden Geldleistung muss die Verantwortung und das unternehmerische Risiko und die über die reinen Betreuungszeiten zu leistenden Arbeitsstunden der Dokumentation, der Vor-,  Nachbereitung und Verwaltung, sowie Einkaufen, Reinigungsarbeiten, Essen vorbereiten berücksichtigt werden.

4. Es werden eindeutige Regelungen zu Urlaub und Schließzeiten festgelegt: 30 Tage bezahlte Urlaubstage sind nötig, um sich für unsere verantwortungs- und anspruchsvolle Arbeit zu regenerieren.

5 .Für Ausfallzeiten ist für eine funktionierende Vertretung seitens der Kommunen oder Landkreise zu sorgen.

6. Kindertagespflegepersonen haben ein Recht auf kostenfreie Fortbildung, Praxisbegleitung und Supervision

Beschlossen von der Mitgliederversammlung in Göttingen am 31. Oktober 2015

 

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